Februar 19th, 2013 by kritiker

 

Als Ex-Soldat Freddie (JOAQUIN PHOENIX) den charismatischen Lancaster Dodd (PHILIP SEYMOUR HOFFMAN) kennenlernt, ändert sich sein Leben schlagartig. Bisher ertränkte der heimgekehrte Kriegsveteran seine innere Leere mit Alkohol und Frauen, aber durch Dodd findet Freddie wieder Halt im Leben: Der selbsternannte Philosoph hat eine eigene, rasch wachsende Glaubensgemeinschaft gegründet und wird von seinen Anhängern nur „The Master“ genannt. Der labile Freddie ist fasziniert von seinen Lehren und steigt zu Dodds rechter Hand auf – scharf beobachtet von dessen berechnender und eiskalter Frau Peggy (AMY ADAMS). Doch bald entstehen bei Freddie erste Zweifel an den totalitären Methoden und Lehren des „Masters“…

 www.senator.themasterfilm.com

Paul Thomas Anderson stellt die Geduld der Zuschauer auf eine harte Probe. Trotz außergewöhnlichem Blick, guten Performances und einfühlsamen, verständigen Schlüssen setzt er zu viel Sitzfleisch voraus und gibt – im Vergleich zu seinen anderen Filmen – relativ wenig.

Auch wenn Redundanzen Methodiken erkennen lassen, kosten sie – insbesondere die mit unübersehbaren Intentionen – zu viel wertvolle Zeit; so wie Sekten-Psycho-Tests, die Bindungen zum Zwecke der Ausbeutung beabsichtigen. Ein guter Fick kann Probleme effektiver lösen – da kann man Anderson nur zustimmen. Die kurz angedeutete Vision des  „Sexsüchtigen“ würde in der Realität womöglich viel Positives bewirken.

 

Februar 1st, 2013 by kritiker

 

Schnee ziert die Dächer von Stockholm – Weihnachten steht vor der Tür. Ein plötzlicher Anruf reißt Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) schlagartig aus dem Schlaf. Kriminalkommissar Joona Linna (Tobias Zilliacus) bittet ihn, einen Jungen unter Hypnose zu verhören, dessen Familie kurz zuvor brutal ermordet aufgefunden wurde. Widerwillig lässt sich Bark auf die Sache ein. Was er dabei erfährt, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren…

Kinostart: 21.02.2013

www.fox.derhypnotiseur-derfilm.de

Nervtötender Schwedenkrimi auf Fernsehniveau, der schlechte Laune macht. Technisch und schauspielerisch annehmbar.

 

 

 

 

Januar 27th, 2013 by kritiker

 

Wertung für OmU, engl. Originaltitel: The Sweeney

Jack Regan (Ray Winstone) und George Carter (Ben Drew) sind das Beste, was die britische Polizei zu bieten hat, allerdings auch das Fragwürdigste: Polizisten der härteren Gangart, die keine Umwege nehmen. Als Teil der Eliteeinheit „Flying Squad“ von Scotland Yard greifen sie bei der Bekämpfung von Gewaltverbrechen in der Londoner Unterwelt hart durch. Ihre Methoden sind unorthodox und nicht selten arbeiten sie außerhalb des Gesetzes. Unter Zeitdruck und gegen den Willen ihres Vorgesetzten jagen sie diesmal eine osteuropäische Bankräuberbande, die London unsicher macht.

Kinostart: 28.02.2013

www.universum.facebook.com/thecrime.film

Tumb idealiserte Polizeigewalt in einfallslosem Plot – immerhin mit Ray Winstone.

 

 

 

 

Januar 26th, 2013 by kritiker

 

Wertung für OV

Die Jagd nach Osama bin Laden hielt die Welt mehr als ein Jahrzehnt lang in Atem. Am Ende spürte ein kleines Team von CIA und Navy SEALs den meistgesuchten Terroristen auf. Jeder Aspekt dieser Untersuchung war geheim. Einige Details sind inzwischen veröffentlicht, die entscheidenden Aspekte der Operation werden jedoch erstmals in diesem Film der beiden Oscar®-Preisträger Kathryn Bigelow und Mark Boal enthüllt. ZERO DARK THIRTY (der Titel steht für die militärische Zeitangabe von 0.30 Uhr, jenem Moment, als der Angriff der Navy SEALs begann) steht für eine neue Art von Filmkunst, indem investigatives Drama mit Actionelementen kombiniert wird. Dabei steht die Geschichte von Maya (Jessica Chastain), die die Ermittlung leitet, im Mittelpunkt.

Kinostart: 31.01.2013

www.sony.zerodarkthirty.com

Kathryn Bigelow inszeniert die offizielle Version der Bin Laden Jagd (Drehbuch Mark Boal). Die Plotpoints sind aus den Nachrichten bekannt, dennoch bringen Bigelow und Boal weder Tiefgründigkeit, Intensität, verlässliche neue Erkenntnisse noch Zweifel ein. Viel zu lang (157 Minuten) und öde.

Jedes Detail scheint mit der offiziellen Linie abgestimmt zu sein: Folter ist zwar nicht nett, muss aber irgendwie sein, weil seit dem Mittelalter keine besseren Methoden zur Informationsbeschaffung entdeckt wurden. Auch wenn sich mittlerweile Vertreter beider US-Parteien kritisch äußern – hinsichtlich der suggerierten Unwahrheit, dass ohne Folter das Auffinden Bin Ladens nicht gelungen wäre -, so bezieht sich Bigelow (blauäugig) auf Aussagen der vor Ort Verantwortlichen und die haben anscheinend weder Interesse an zivilisierter Vorgehensweise noch Wahrheit. Interessant ist das in einem Nebensatz geäußerte Selbstverständnis hochrangiger CIA-Offiziere gegenüber Deutschland, das auch als geheimes Folterland dienen muss. Die Ergreifung Bin Ladens wirkt absurd, weil die Hubschrauber zwar ewig über das Haus dröhnen und einer sogar abstürzt, aber später anscheinend der Eindruck erweckt werden soll, dass die Bewohner gerade eben erst aufgewacht seien – als die Navy SEALs nach mehreren Sprengungen endlich die Zimmer stürmen. Die zunächst in den Nachrichten verbreitete Behauptung, die eigentlich geplante Entführung Bin Ladens sei schiefgegangen, wurde zugunsten eines schon immer so gewollten Mordplanes korrigiert. Dann bricht der Film ab, obwohl man sehr gerne noch gesehen hätte, wieso der tote Bin Laden dann angeblich von einem Flugzeugträger ins Meer geworfen wurde, anstatt offiziell und überprüfbar identifiziert zu werden.

 

Januar 18th, 2013 by kritiker

 

Los Angeles 1949: Der skrupellose Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) aus Brooklyn beherrscht die Stadt und sahnt bei allen illegalen Geschäften ab: Drogen, Waffenhandel, Prostitution. Wenn es nach ihm ginge, würde er auch bei jeder Pferdewette westlich von Chicago seinen Anteil kassieren. Mickeys Imperium gründet sich nicht nur auf die von ihm bezahlte Schlägertruppe – auch die Polizei und die Politik tanzen nach seiner Pfeife. Das reicht, um selbst die unerschrockensten, mit allen Wassern gewaschenen ehrlichen Cops einzuschüchtern … außer vielleicht eine kleine geheime Einheit von Außenseitern des LAPD unter derLeitung von Sgt. John O’Mara (Josh Brolin) und Jerry Wooters (Ryan Gosling), die Cohen gemeinsam von seinem Thron stürzen wollen.

http://gangstersquad.warnerbros.com

Überstilisierung, lächerliche Unverwundbarkeit im Kugelhagel und die unansehnliche Farbgebung sind kontroproduktiv und unschön, aber Spannung und Dynamik passabel. Heroisierung und Verklärung zweifelhafter Charaktere und Methoden liegen unbehaglich im Magen.

 

 

Januar 18th, 2013 by kritiker

 

Angesiedelt in den Südstaaten, zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg, erzählt DJANGO UNCHAINED die Geschichte von Django (JAMIE FOXX), einem Sklaven, dessen brutale Vergangenheit mit seinen Vorbesitzern dazu führt, dass er dem deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (CHRISTOPH WALTZ) Auge in Auge gegenübersteht. Schultz verfolgt gerade die Spur der mordenden Brittle-Brüder und nur Django kann ihn ans Ziel führen. Der unorthodoxe Schultz sichert sich daher Djangos Hilfe, indem er ihm verspricht, ihn zu befreien, nachdem er die Brittles gefangen genommen hat – tot oder lebendig. Nach erfolgreicher Tat löst Schultz sein Versprechen ein und setzt Django auf freien Fuß. Dennoch gehen die beiden Männer ab jetzt nicht getrennte Wege. Stattdessen nehmen sie gemeinsam die meistgesuchten Verbrecher des Südens ins Visier. Während Django seine überlebensnotwendigen Jagdkünste weiter verfeinert, verliert er dabei sein größtes Ziel nicht aus den Augen: Er will seine Frau Broomhilda (KERRY WASHINGTON) finden und retten, die er einst vor langer Zeit an einen Sklavenhändler verloren hat. Ihre Suche führt Django und Schultz zu Calvin Candie (LEONARDO DICAPRIO). Candie ist der Eigentümer von „Candyland“, einer berüchtigten Plantage. Als Django und Schultz das Gelände der Plantage unter Vorgabe falscher Identitäten auskundschaften, wecken sie das Misstrauen von Candies Haussklaven und rechter Hand Stephen (SAMUEL L. JACKSON). Jede ihrer Bewegungen wird fortan genau überwacht und eine heimtückische Organisation ist ihnen bald dicht auf den Fersen. Wenn Django und Schultz mit Broomhilda entkommen wollen, müssen sie sich zwischen Unabhängigkeit und Solidarität, zwischen Aufopferung und Überleben entscheiden…

www.djangounchained.de

Aus einem Stück gegossenes, episches Trash-Masterpiece. Tarantino brilliert mit Humor, Style und Präzision.

Man könnte Gewaltverherrlichung vorwerfen und (fragwürdig) erwidern, dass sich Widerstand in einer gewalttätigen Welt nicht anders behaupten kann oder genau das die Gesellschaftskritik ausmacht – aber eine  Eins-zu-eins-Sicht wird dem Werk nicht gerecht, denn der brodelnde Kessel explodiert metaphorisch, wenn zu viel Unterdrückung angestaut wurde und reinigt mit Kompromisslosigkeit, wenn strukturelle, psychische und physische Vergewaltigungen selbstverständlich geworden sind oder werden wollen.

 

Januar 17th, 2013 by kritiker

 

Wertung für OmU

Steven Spielbergs neuester Film LINCOLN ist eine aufregende Chronologie der letzten vier Monate im Leben des einflussreichsten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Als Lincoln 1864 seine zweite Amtsperiode als 16. Präsident antritt, steht die junge Nation durch den blutigen Bürgerkrieg vor der Zerreißprobe. Mit Mut und Entschlossenheit widmet sich der republikanische Politiker der fast unlösbaren Aufgabe, den Krieg zu beenden, Nord- und Südstaaten zu versöhnen und die Sklaverei abzuschaffen. In jenen wenigen Monaten vor seiner Ermordung am 15. April 1865 durch einen Attentäter wird Lincoln in einem unerhörten Kraftakt die entscheidenden Weichen für das Schicksal kommender Generationen stellen.

Kinstart: 24.01.2013

www.fox.thelincolnmovie.com

Spielberg quält den Zuschauer mit so unerträglich staubtrocken erzkonservativer Langeweile, dass man nachvollziehen kann, wenn ihm nahegelegt wird: Hör auf, es reicht, tritt in Würde ab. Auch wenn er das Drehbuch nicht selbst verbrochen hat, so hätte er es ablehnen können.

 

 

Dezember 18th, 2012 by kritiker

 

Wertung für OV

Als sein Passagierflugzeug abstürzt und es scheinbar keine Rettung gibt, erringt Captain Whip Whitaker (Denzel Washington) mit einem schier unglaublichen Manöver die Kontrolle zurück. Er schafft eine Notlandung und rettet viele Menschenleben. Whip wird als Held gefeiert, denn jeder weiß: Niemand außer ihm hätte das Flugzeug landen können. Doch dann wirft die Untersuchung des Crashs ein neues Licht auf den Lebensretter. Whip hat etwas zu verbergen. Unangenehme Fragen werden gestellt und er muss sich entscheiden: Zwischen der Lüge, mit der er seinen Ruf rettet oder einer schmerzhaften Wahrheit, die viel Mut erfordert.

Kinostart: 24.01.2013

www.paramount.com/flight

Zemeckis setzt die vorhersehbare, klischeehafte Alkoholikerstory anfangs bestmöglich in Szene. Das gute Schauspiel rettet über Drehbuchlängen und John Goodman glänzt in einer Nebenrolle. Trotz gewinnender Details wirkt zu viel zu konstruiert, insbesondere gegen Ende.

 

 

Dezember 17th, 2012 by kritiker

 

Pi Patel ist der Sohn eines indischen Zoodirektors. Ein Schiffsunglück führt dazu, dass er mit einem furchteinflößenden bengalischen Tiger namens Richard Parker an Bord eines Rettungsboots über den Pazifik treibt. Pi nutzt seinen ganzen Einfallsreichtum, um den Tiger zu zähmen, seinen Mut, um den Elementen zu trotzen, und seinen jugendlichen Glauben, um die Kraft aufzubringen, sie beide zu retten. Eine wundersame und unerwartete Verbindung entsteht zwischen Pi und dem Tiger und die schicksalhafte Reise des Teenagers wird dabei zu einem episches Abenteuer voller gefährlicher Entdeckungen und Erlebnisse.

Kinostart: 26.12.2012

www.lifeofpimovie.com

Fabel, die mit dem erklärten Ziel antritt „Glaube an Gott“ stärken zu wollen. Die kindlich naive Erzählung wäre ohne Ang Lees kostspielige Bilder einfach nur ärgerlich.

Unüberlegt konstruierte Gegensätzlichkeit zwischen Emotion, Vorstellungsvermögen und Vernunft sowie Plädoyers für Blindheit sind nur altbacken-dümmlich, aber die eigentliche Tragik liegt darin, dass durch das propagierte Verschließen vor der Realität die meisten Probleme erst entstehen. Auch die schönen Naturbilder, die Ang Lee als Vorlage nutzt, werden bald nur noch Illusionen sein, denn Erkenntnisverhinderung aus Feigheit führt zu realer Vernichtung lange gewachsener evolutionärer Schönheit und Vielfalt. 

 

 

November 27th, 2012 by kritiker

 

Wertung für OV

CHASING MAVERICKS is the inspirational true story of real life surfing phenom Jay Moriarity (played by newcomer Jonny Weston). When 15 year old Jay discovers that the mythic Mavericks surf break, one of the biggest waves on Earth, is not only real, but exists just miles from his Santa Cruz home, he enlists the help of local legend Frosty Hesson (played by Gerard Butler) to train him to survive it. As Jay and Frosty embark on their quest to accomplish the impossible, they form a unique friendship that transforms both their lives, and their quest to tame Mavericks becomes about far more than surfing. Chasing Mavericks was made with the help of some of the biggest names in the surfing world, and features some of the most mind-blowing real wave footage ever captured on film.

Kinostart: 17.01.2013

www.livelikejay.com

Einfach gestricktes Surfer-Drama – zu viel altbacken-glatte Backstory und zu wenig Riesenwellen-Surf-Action.

 

 

 

 

November 26th, 2012 by kritiker

 

Wertung für OV

Marty (Colin Farrell), erfolgloser Drehbuchautor in Hollywood, bekommt mehr Inspiration für sein neues Drehbuch als ihm lieb ist: sein bester Freund Billy (Sam Rockwell) mischt die kriminelle Szene in Los Angeles durch den Diebstahl eines Shih Tzu auf. Sein Pech: Es ist der Schoßhund des durchgeknallten Gangsters Charlie (Woody Harrelson). Bevor Marty sich versieht, steckt er mitten in seinem eigenen Drehbuch und will nur noch eins: Überleben! Und seine Geschichte zu Ende schreiben…

Kinostart: 06.12.2012

www.7psychos.de

Gut besetztes komödiantisches Drama über einen Drehbuchautor, der weder etwas zu sagen noch Personality hat und das mit Gewalt und Religion zu überspielen versucht. Weshalb auch reale Kinobesucher sein Selbstmitleid ertragen müssen, anstatt nur die anonymen Alkoholiker, liegt wohl am für Amis unwiderstehlichen Titel.

 

 

November 25th, 2012 by kritiker

 

„Anna Karenina“ spielt im Jahr 1874. Die schöne und lebenslustige Anna Karenina (Keira Knightley) hat alles, was sich ihre Zeitgenossinnen erträumen: Sie ist die Ehefrau von Karenin (Jude Law), ein hochrangiger Regierungsbeamter, dem sie einen Sohn geboren hat, und ihr Status in der St. Petersburger Gesellschaft könnte kaum höher sein. Nachdem sie einen Brief ihres Bruders Oblonskij (Matthew Macfadyen) erhalten hat, der ein frivoler Schürzenjäger ist, reist Anna nach Moskau, um Oblonskijs Ehe mit Dolly (Kelly Macdonald) zu retten. Auf dem Weg nach Moskau macht sie im Zug Bekanntschaft mit Gräfin Wronskij (Olivia Williams), die von ihrem Sohn, dem attraktiven Kavallerie-Offizier Wronskij (Aaron Taylor-Johnson), am Bahnhof erwartet wird. Als Anna dann Wronskij vorgestellt wird, fühlen sich beide augenblicklich zueinander hingezogen. Und der Macht dieser Begierde können – und werden – sie sich nicht widersetzen.

Kinostart: 06.12.2012

http://focusfeatures.com/anna_karenina

Teilweise abstrakt – wie eine Bühnenaufführung – inszenierter Kostümfilm mit Keira Knightley und Jude Law (leider nicht in der Hauptrolle) nach der Buchvorlage von Leo Tolstoi. Die pseudo-zeitgemäße, unausgegorene Trimmung ist unerfreulicherweise zu maniriert und verkopft, als dass der Vorlage entsprechende, tief greifende Gefühle aufkommen könnten – aber immerhin regt der Film nicht dazu an den Erstbesten zusammenzuschlagen, was angesichts der momentanen Neuerscheinungen nicht selbstverständlich ist.