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4-Personen-1-Raum-Theaterstück, abgefilmt von Polanski. Von Inszenierung kann man nicht unbedingt sprechen, denn keine Pointe wird punktgenau herausgearbeitet, keine Tiefe freigelegt: Waltz changiert zwischen Selbstverliebtheit und Servilität, Reilly bleibt blass, Winslet ist ungenau und Foster überspielt. Jeder scheint eine Rolle aus einem anderen Film zu wiederholen, die Feinheiten des Stücks bleiben auf der Strecke. Immerhin regt das enttäuschende Kinoerlebnis dazu an, mal wieder ins Theater zu gehen und dieses oder ein bedeutenderes Werk und unverbrauchte Schauspieler live zu erleben.
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DVD, Blu-Ray
Avantgardistischer Trip in Abgründe, der die Stringenz von Irreversibel vermissen lässt. Gaspar Noé experimentiert mit filmischen Ausdrucksmöglichkeiten. Für den Zuschauer kann seine zuweilen oberflächlich plakative Effekthascherei äußerst anstrengend und qualvoll sein und man fragt sich, weshalb man sich so etwas antut. Wer den viel zu langen Film in einem Stück erträgt, beweist Durchhaltevermögen. Andererseits sind seine Bilderwelten auch faszinierend und wundervoll magisch, die Point-of-view Kamera kann hypnotisch fesseln. Leider wirkt er wie ein Zauberer, der den Überblick verloren hat, die Story zerfällt und verkommt zu einem zusammenhangslosen, wenn auch heftig abgefahrenen Bilderzirkus. Be warned.
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Cronenbergs Sicht auf Jung, seine Geliebte (schlecht gespielt von Keira Knigthley) und Freud. Die krankhaften Ursachen für Monotheismus und Monogamie werden angesprochen, ansonsten nur gähnende Langeweile. Es gibt keine Veranlassung diesen mittelmäßigen Fernsehfilm im Kino zu sehen, außer vielleicht mit (hoffentlich) attraktiven Sitznachbarn/innen zusammen einzuschlafen. Eine eigene Webseite für diesen Film existiert nicht mehr, die Server haben sich immer wieder in den Sleep-Modus versetzt.
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Komödie mit Ben Stiller und Eddie Murphy über den Racheversuch an einem Anlagebetrüger. In der Realität werden Großkriminelle nicht mal angeklagt (s. Berliner und andere Bankenskandale) und bekommen den Lebensabend zusätzlich mithilfe ihrer korrupten Handlanger in der Politik vergoldet. Stillers Rolle fordert dazu auf, die Lehnsherren wie damals endlich aus ihren Burgen zu verjagen, als einzige Möglichkeit für Gerechtigkeit. So weit so gut. Leider ist der Film etwas langsam und nicht unbedingt ein Gagfeuerwerk, trotzdem insgesamt nett anzusehen. Etwaigen Leerlauf kann man mit Grübeln über die Ungerechtigkeit des Systems sinnvoll überbrücken.
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Komödie von Leander Haußmann mit Bully Herbig – schon wieder ein deutscher Film, der in der Nazizeit spielt. Das simple Weltbild Haußmanns macht feinen Humor unmöglich, Stalinisten und Kommunisten werden mal wieder in einen Topf geworfen (gähn). Wer keine Ahnung hat, sollte Fachleute zu Rate ziehen, für intelligenten Humor wären das z.B. die Experten der Titanic. So dümpelt die Story in flauer Dumpfmanier ohne einen einzigen lauten Lacher dahin. Dank Bully Herbig (auch Co-Produzent) ist der Film immerhin nicht piefig, auch wenn die Witze meist auf Kinderfilm-Niveau bleiben.
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James-Bond-Parodie mit Jean Dujardin. Nicht ganz so komisch wie der Spion der sich liebte. Staubtrockene, zuweilen alberne, zurückgelehnt leichte Unterhaltung mit einigen echten Lachern.
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DVD, Blu-Ray
Cop-Thriller, der Vetternwirtschaft, Vertuschung und Schuld thematisieren will. Die Starbesetzung ködert, die unausgegorene, nichtssagende Story enttäuscht.
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Sci-Fi Psychodrama, Spielfilmdebüt von Mike Cahill. Sehr einfach und langsam erzählt, no-budget documentary style. Einen SFX Sci-Fi und Logik darf man nicht erwarten, aber wer sich auf die Erzählart einlässt, wird belohnt. Auszeichnung als Bester Film auf dem Sundance Film Festival 2011.
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Biopic über den ehemaligen Drogendealer Howard Marks. Berührender Independent Film, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Dass der Handel mit weichen Drogen härter bestraft wird als Mord, zeigt wie ungerecht und zum Schaden der Grundrechte des Individuums der Bestrafungsapparat der Herrschenden sein kann. Die Priorität liegt nicht auf dem Wohlergehen und der Sicherheit der Bürger, sondern der Sicherung der Herrschaftsverhältnisse. Straight erzählt, ohne den üblichen Schmus.
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DVD, Blu-Ray
Afghanistan-Veteran kommt zurück nach London und muss feststellen, dass zuhause auch Krieg herrscht. Damit mehr Geld mit Öl und Waffen verdient werden kann, werden Anschläge inszeniert, die Bevölkerung wird mittels Furcht unter Kontrolle gehalten. Simpel, trocken, brutal, amoralisch und blutig umgesetzt. Der Hauptplot hat geringfügige logische Mängel, aber das tut der stimmigen Atmosphäre keinen Abbruch. Einen feingeistigen Politthriller darf man nicht erwarten, eher Rambo für arme Briten.
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Seuchen-Thriller mit guter Besetzung. Es werden wichtige Punkte angesprochen: die Skrupellosigkeit der Pharmaindustrie, die Profite über Menschenleben stellt, Zensur und Desinformationspolitik durch die Regierung und ansatzweise die Fragilität der Zivilisation. Allerdings ist das Drehbuch derart unausgereift, löchrig und unfertig verfilmt worden, dass Spannungsmomente verschenkt werden und die letzte halbe Stunde eine enttäuschende Unverschämtheit ist.
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Wertung für OV
DVD, Blu-Ray
Deutscher Release: 06.12.2011
Sehr langsame, leise Tragikomödie mit Will Ferrell, die nachdenklich macht: Wie eng sind die Grenzen der Freiheit, wenn man in den USA auf seinem Grundstück nicht mal offen ein Bier trinken darf.
In vielen Bundesstaaten ist öffentliches Küssen verboten. Extreme Einschränkungen sind Realität in den religiösen Vereinigten Staaten. Nur dass das Legehuhn nichts von seiner Unfreiheit und den Möglichkeiten der Welt da draußen weiß; das Selbstbild ist ein anderes, dafür sorgen (auch hierzulande) die Züchter.
Deutscher Titel: Alles muss raus
